Warum der 15. Bezirk?

Cassette Culture Node.Linz im 15. Wiener Gemeindebezirk

2019 Feb

Warum der 15.Bezirk?

Ein paar kuratorische Gedanken von Wolfgang "Fadi" Dorninger.

Thomas Resch (Monochrome Bleu)

Seit 1992 komme ich regelmäßig wegen der Druckerei Resch in den 15. Bezirk. Nicht nur ich, auch andere MusikerInnen, ProduzentInnen und Veranstalter. Es geht um Flyer, Folder und spezielle Tonträgerverpackungen. Und dann auch immer öfter, weil Thomas Resch der Betreiber von Resch – Druck und Grafik – auch Ausstellungen in seiner Druckerei macht. So zum Beispiel am 26.9.2008 bei der Ausstellungseröffnung von Leo Schatzl, wo Monochrome Bleu nach gut 15 Jahren wieder einmal live gespielt hat. Und Monochrome Bleu ist eine der österreichsichen Bands aus den 80igern, bei der Thomas Resch nicht nur gesungen, sondern auch Saxophon gespielt hat; auch das Abflußrohr. Drei Mal zog es die Band über den Atlantik in die USA, wo sie fest verankert im Cassette Culture Netzwerk gut 30 Konzerte gespielt hat. Thomas Resch kennt die Cassette Culture als wichtiger Protagonist, er kann den Ausstellunsgbesuchern mit „oral history“ zur Seite stehen und wichtige Fragen zu Cassette Culture Node.Linz aus eigener Erfahrung beantworten.

Und es geht bei der Ausstellung auch um Grafik, Design und Print. Die D.I.Y. (Do It Yourself) Kultur hat immer Orte gerne in „Beschlag“ genommen, die der Produktion von Tapes, Zines und Poster eine gute Hilfe waren. So gesehen ist eine Druckerei ein guter Ort für die Ausstellung Cassette Culture Node.Linz.

Epileptic Media - Andreas Haslauer

Und dann wohnt und arbeitet der Maler und Musiker Andreas Haslauer von Epileptic Media im 15. Bezirk. Andreas, Absolvent der der Linzer Kunstuniversität, betreibt sein Kassettenlabel Epileptic Media seit 2012 im klassischen D.I.Y. Stil zuerst in Linz und nach seinem Studium in Wien 15. Von dort aus tourt er mit Bands wie Se Mustard Terrorists oder Nadeshda durch Deutschland, Japan und Österreich. Sein Studio besteht aus alten Tape-Decks, 4-Spur Kasettengeräten und „gebendeten“ Effekten. Epileptic Media Cover sind Kunstwerke. In seinen vielschichtigen, dichten Malereien bringt Haslauer ein durchgeknalltes Universum aus Informationen und Geheimnissen großformatig auf die Leinwand oder auf Cassetten-Cover. Seine Grafiken, oft reduzierter, in schwarz/weiß gehalten, sind nicht weniger dicht und detailverliebt und werden regelmäßig in Magazinen und Tapes veröffentlicht.

Und Epileptic Media war im OK Centrum (OÖ Kulturquartier) in Linz bei Cassette Culture Node.Linz als junges Label gut sichtbar vertreten. In seinem Workshop „Wie macht man 2018 ein Tape Label!“ zeigte Andreas jungen MusikerInnen was und wie man ein Kassettenlabel betreibt. Epileptic Media Tapeproduktionen und grafische Arbeiten waren natürlich Teil der Ausstellung. In Wien wird es sicher eine stürmische Epileptic Media Musik- und Grafiknacht geben.

Tronstoner

Und dann wohnt und arbeitet im 15. Bezirk noch der Musiker und Programmierer Ralf Traunsteiner aka Tronstoner, der seine Musik gerne auf Kassetten aufnimmt und seine Softwareprogramme open source zur Verfügung stellt. Mit seinen zahlreichen Kooperationen in der experiementellen Wiener Musikszene (klingt.org) und seinen Bands Tronstoner, Nitro Mahalia oder Gnankn ist er ein musikalischer Hotspot der Wiener Experiemental Electronic Music. Wir werden Tapes von Ralf ausstellen und ihn auch musikalisch an einem Musikabend zum Thema Noise zu Gast haben.

Monochrome Bleu

Und vielleicht spielt Monochrome Bleu wieder einmal live. Thomas Resch, seit 2008 auch privat ein Rudolfsheim-Fünfhauser, wird dann wieder Saxophon spielen und mit seiner verführerisch sonoren Stimme singen. Peter Androsch (Gitarre) und Wolfgang Dorninger (Synths, Electronics) flankieren ihn dann dabei.

Fakt ist, dass die Ausstellung Cassette Culture Node.Linz im 15. Bezirk unter einem guten Stern steht, vor Ort Tape-Aktivisten werken und somit einer guten Zeit mit heißen Diskussionen rund um das Tape, D.I.Y., Artificial Intelligence und Kunst von den Rändern nichts mehr im Weg steht.